Doris

Senior Vice President and General Manager Dell EMC, Commercial Sales Deutschland

Stadt, Land, Frau

Schon seit Ende der Nuller Jahre gibt es bei Dell ein Projekt, das sich ganz um die Förderung von Unternehmerinnen dreht: das Dell Women’s Entrepeneur Network (DWEN). Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Finanzkrise hatte man sich die Frage gestellt, wie Unternehmen wieder zu mehr Wachstum kommen können, und dabei fiel der Blick auf von Frauen geführte Unternehmen. Sowohl die World Bank als auch The World Economic Forum waren schon damals zu dem Schluss gekommen, dass Unternehmerinnen ausschlaggebend für eine Wende zu mehr Wachstum in der Weltwirtschaft sein können. Zusammengerechnet verfügen Unternehmerinnen nämlich über eine Wirtschaftskraft, die etwa der von China plus Indien entspricht. Das ist schon ein Pfund, das man mal in die Waagschale werfen kann.

Allerdings zeigte sich auch, dass weibliche Führungskräfte und Unternehmerinnen tatsächlich bei Weitem nicht die Rolle spielen, die sie spielen könnten. Das liegt – zumindest meistens – gar nicht daran, dass Frauen offen in ihrer Arbeit behindert, also ausgebremst, werden. Es sind in der Regel vielmehr “stille” Rahmenbedingungen, die sich negativ auswirken: Nachteil beim Zugang zu Kapital oder zu Märkten beispielsweise; oder auch schlechter Zugang zu anderen Ressourcen wie Technologie oder zu den berühmten “besten Köpfen”; nicht zu vergessen der Nachholbedarf, den Frauen beim informellen Networking haben, was ich aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen kann – bei den etablierten Business-Netzwerken, die sich Männer oft über viele Jahre aufgebaut haben, heißt es immer wieder “Damen müssen draußen bleiben”; was natürlich niemals jemand offen aussprechen würde.

DWEN hat sich daher von Anfang an als internationale Plattform für das Networking von Frauen in Führungspositionen verstanden, als Netzwerk und Community von gleichgesinnten Frauen, das auch einen direkten Zugang zu Ressourcen eröffnet. Auf den jährlichen DWEN-Treffen, die unter großem Zuspruch unter anderem in Neu-Delhi, Kapstadt, Berlin und kürzlich San Francisco stattfanden, wurden dann auch Nägel mit Köpfen gemacht, und die Plattform für neue Kontakte und den Austausch von Erfahrungen realisiert. DWEN ist eine Erfolgsgeschichte – und dass Frauen trotzdem noch nicht da stehen, wo sie stehen könnten und sollten, kann nur ein weiterer Ansporn sein.

DWEN lokal: der WE-Cities-Index

Natürlich erschöpft sich DWEN nicht im Aufbau einer internationalen Networking-Plattform. Eine weitere Säule der Arbeit ist im weitesten Sinne das Lobbying für Unternehmerinnen. Wir wollen bei Entscheidungsträgern von Wirtschaft und Politik verankern, welch wichtige Rolle von Frauen geführte Unternehmen spielen können.

Dazu gehört besonders die Studie Women Entrepreneur Cities Index (WE Cities), in die zahlreiche Erfahrungen der DWEN-Kampagne eingeflossen sind.

WE Cities nimmt dabei einen etwas anderen Fokus ein: im Vordergrund stehen nicht mehr Staaten, sondern die Städte. Der WE-Cities-Index bewertet deren Potenzial für Unternehmerinnen. Es handelt sich also um einen Gender-spe­zi­fischen Index, der die Bedingungen für von Frauen gegründete Unternehmen in den betreffenden Städten untersucht. Damit ist es möglich, auch die Auswirkungen lokaler Politik und lokaler Maßnahmen der Frauenförderung zu erfassen.

Natürlich kann dabei nur eine Auswahl von Städten berücksichtigt werden, das liegt in der Natur der Sache: 50 Städte wurden untersucht, nach den Kriterien Zugang zu Kapital, Technologie, Bildung und Märkten sowie nach kulturellen Faktoren; von insgesamt 72 Indikatoren weisen 45 eine geschlechtsspezifische Komponente auf.

Die 50 Städte wurden ausgewählt hinsichtlich ihrer generellen, also gender-unabhängigen Reputation als Hub für Innovationen und unter geographischen Aspekten: mit anderen Worten, es sollten Städte aus allen Weltgegenden dabei sein.

Dell Global WE Cities Rankings 2017

Mit Berlin und München wurden auch zwei deutsche Städte berücksichtigt. Die Hauptstadt erreicht in der Gesamtwertung Platz 21; in der Kategorie Markt liegt sie immerhin auf dem achten Platz und bei Kosten für Technologie sogar auf Platz 3. München erreicht im Gesamtranking nur Platz 31, wobei die bayerische Landeshauptstadt bei Kultur Platz 13 belegt, beim Zugang zu Kapital reicht es nur für Platz 42.

Aber, und das erscheint mir wichtig hervorgehoben zu werden, wollen wir die ausgewählten Städte ja nicht in einen Wettbewerb um die besten Plätze jagen, so dass jeder nur auf die Ziffer schaut: Wo stehen wir? Viel, viel wichtiger ist es, dass die (politisch) Verantwortlichen in den Städten mit den Daten und Informationen WE-Cities-Index ein Instrumentarium an die Hand bekommen, mit dem sie die eigenen Anstrengungen zur Förderung von Unternehmerinnen kritisch einordnen und prüfen können. Es geht darum zu erkennen, wo Optimierungsbedarf ist.

Ich will an dieser Stelle daher auch nicht auf die einzelnen Resultate und die Rankings der 50 Städte eingehen, sondern zwei Dinge herausstellen, die für mich besonders interessant waren:

  • Es gibt überall viel Luft nach oben. So wurde New York City zwar im Gesamtranking die Nummer 1; aber mit 63 von 100 Index-Punkten hat selbst NYC immer noch erhebliches Optimierungspotenzial. Von der “idealen Stadt” für weibliche Führungskräfte und Unternehmerinnen ist auch diese Stadt noch weit entfernt. Anders ausgedrückt: Die Plätze sind noch nicht endgültig vergeben.
  • Die Rankings in den einzelnen Kategorien sind sehr heterogen. Keine Stadt ist nach allen Kriterien vorne, keine ist immer hinten. So liegt beispielsweise die peruanische Hauptstadt Lima bei Zugang zu Kapital weit zurück, bietet aber vergleichsweise gute Chancen für den Marktzugang. Das heißt, dass es auch für schwächer eingestufte Städte Ansatzpunkte gibt, sich insgesamt besser aufzustellen.

Grundsätzlich zeigt auch WE Cities, dass es noch viel zu tun gibt: Frauen können mehr erreichen als es derzeit tatsächlich der Fall ist. Gerade die Digitale Transformation ist eine enorme unternehmerische Herausforderung, und da empfiehlt es sich, alle Kräfte zu nutzen. Wertvolle Ressourcen brach liegen zu lassen, das kann sich keine Gesellschaft leisten.