Helena

Director Marketing, EMC Deutschland

CMO und CIO: Was Marketing-Chefs über den IT-Betrieb im Unternehmen wissen sollten

Erst kürzlich hat eine EMC-Umfrage gezeigt: Immer häufiger kaufen nicht nur CIOs IT-Dienste fürs Unternehmen ein, sondern auch ihre Counterparts aus dem Marketing. Marketingleiter geben inzwischen hierzulande in mehr als 11 Prozent der Fälle die IT-Strategie vor – nicht nur, aber überwiegend aufgrund ihres Bedarfs an Software-as-a-Service-Diensten etwa für Marketing, Customer Relationship Management oder Big Data Analytics.

Für IT-Verantwortliche ist das eine Herausforderung –vor allem, weil sie Einfluss, Verantwortung, Budget und Kontrolle an die Marketing-Chefs übertragen müssen. Zudem nötigt die Veränderung den CIOs eine ganz neuartige, erheblich engere Zusammenarbeit mit dem Marketing-Bereich auf. Diese zu gestalten, ist alles andere als einfach.

Denn obwohl Marketingleiter und Marketing-Fachleute oft sehr IT-versiert sind, fehlt ihnen häufig das Verständnis für die genauen Anforderungen und Abläufe innerhalb der Unternehmens-IT. Und der Druck, das zu ändern, ist meist nicht allzu hoch – in vielen Unternehmen wird weniger erwartet, dass der Fachbereich sich über die IT kundig macht als umgekehrt.

Marketingleiter: Lernt, die IT zu verstehen!

Trotzdem (oder: gerade deshalb) rufe ich die Vertreterinnen und Vertretern meines Fachs dazu auf: Erlernen Sie die gröbsten Grundzüge der Unternehmens-IT! Denn nur ein wirklich beidseitiges Verständnis erschließt die bestmögliche Zusammenarbeit – und das ist es, was das Unternehmen vorwärtsbringt.

Mögliche erste Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel habe ich hier zusammengestellt:

  1. Verstehen, was ein Rechenzentrum ist

Das Allerwichtigste zuerst, wenn auch nur in ganz groben Zügen: Verschaffen Sie sich einen Eindruck davon, was ein Rechenzentrum eigentlich ist, wozu es taugt und wie es „tickt“. Erlernen Sie dabei gleich ein paar wichtige Fachbegriffe – etwa die zu den verschiedenen „Layers“ oder „Schichten“ der IT, zu den Bereichen Compute, Storage und Network oder zu Cloud, DevOps oder IT-Sicherheit (schon mal von „SIEM“ gehört?). Tipp: Dieses Youtube-Video enthält eine hervorragende Zusammenfassung.

  1. Die Vor- und Nachteile der Cloud verstehen

Jetzt, wo Sie ungefähr wissen, wie der CIO Ihres Unternehmens sein Rechenzentrum betreibt, dürften Sie die Vorteile und Einsatzbereiche von Cloud Computing noch weit besser nachvollziehen können als bisher. Sprechen Sie doch mal mit den IT-Fachleuten in Ihrem Unternehmen über deren entsprechende Strategien – und fragen Sie auch, wo diese die Vor- und Nachteile von Cloud-Computing sehen. Denn ob ein einzelner Cloud-Dienst sich wirklich rechnet, hängt von einer Vielzahl Unternehmens-spezifischer Einflussgrößen ab, unter anderem von der Leistungs- und Lieferfähigkeit des eigenen Rechenzentrums. Vielleicht kann Ihre IT ja doch günstiger bereitstellen, was Sie ursprünglich von einem externen Anbieter kaufen wollten?

  1. Die Anwendungslandschaft im Unternehmen betrachten

Sofern die IT-Fachleute noch Zeit haben: Bitten Sie sie um eine kurze Einführung in die Anwendungslandschaft Ihres Unternehmens – und in die Arbeitsabläufe, die damit in Zusammenhang stehen. Denn dann können Sie vermutlich den Aufwand besser einschätzen der durch Auswahl, Installation, Betrieb, Wartung und Support von Business-Services entsteht. Zudem bekommen Sie ein besseres Gefühl dafür, welche Anforderungen die IT an Geschäftsanwendungen und Cloud-Services stellt, von denen Sie bisher nichts wussten. Dann können Sie bei künftigen Einkaufsentscheidungen gleich darauf eingehen.

  1. Sicherheit, Rechts- und Compliance-Fragen stellen und klären

Gut, kein reines IT-Thema – aber auch hier können der CIO und seine Mitarbeiter in der Regel weiterhelfen: Welche Sicherheits- und Rechtsrisiken bestehen im Zusammenhang mit Cloud-Services, Software oder IT-Betrieb? Kann Ihr Unternehmen wirklich jede Art Open-Source-Anwendung einsetzen? Sprechen Datenschutzauflagen für einen bestimmten Ablauf? Erfragen Sie, was möglich ist und was nicht, bevor Sie eine Marketing-Anwendung anschaffen und dann in Schwierigkeiten kommen.

  1. Die Unternehmens-IT als Ganzes überblicken

Last but not least: Fragen Sie die IT-Fachleute, wie viel Arbeitsaufwand sie mit Einkauf, Überwachung, Absicherung und Support von Cloud- und anderen IT-Diensten haben. Dann erkennen Sie, welche komplexen Auswirkungen die Einführung der drei „kleinen“ Dienste nach sich zieht, die Sie gerade bestellt haben. Auch diese Unterhaltung dürfte äußerst aufschlussreich sein.