Thore

Vice President EMC Isilon EMEA

Gesucht: der ideale Chief Data Officer

Der vergleichsweise neue Job des Chief Data Officer verlangt nach einem besonderen Fähigkeiten-Mix: Außer analytischer Kompetenz brauchen CDOs sehr viel kommunikatives Geschick. Was eine ideale Kandidatin oder ein idealer Kandidat noch mitbringen sollte, verrät dieser Beitrag.

Die strategische Bedeutung von Daten ist kaum zu überschätzen: Nahezu jedes Unternehmen ist inzwischen zumindest teilweise digital, und nahezu jeder Geschäftsablauf erfordert und erzeugt strukturierte sowie unstrukturierte digitale Informationen. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass immer mehr Unternehmen – Start-Ups ebenso wie Konzerne traditionellen Geschäftsmodellen – eine neue Führungsrolle einführen: die des „Chief Data Officer“ oder „CDO“. Dessen Hauptaufgabe besteht in der Regel darin, mit anderen Vorständen und Geschäftsführern an der digitalen Transformation zu arbeiten und die Art und Weise, wie ein Unternehmen Daten nutzt, von Grund auf zu verändern.

Eine Rolle für führungsstarke Big-Data-Experten

Diese Aufgabe zu erfüllen, ist alles andere als einfach. Denn die Verantwortlichkeiten, die im Amt eines CDO gebündelt sind, waren in den meisten Unternehmen bisher immer auf mehrere Abteilungen verteilt: So speicherten und verwalteten IT, Finanzwesen oder Marketing ihre Daten eigenverantwortlich und verarbeiteten sie entlang proprietärer, nicht auf andere Abläufe abgestimmter Policies und Prozesse. Eine solche Trennung macht das vollumfängliche Nutzen der Datenbestände eines Unternehmens im Sinne von Big Data natürlich nahezu unmöglich.

Obwohl dieser Nachteil inzwischen fast überall erkannt und richtig bewertet wurde und viele Untenrehmen inzwischen besser verstehen, welche Vorteile Big Data ihnen bringen kann, bleibt das Aufheben der besagten Trennung weiterhin schwierig. Denn die erforderlichen Veränderungen verursachen nicht nur Aufwand, sondern wecken oft auch Unsicherheiten und Wiederstände. Das verlangt nach zielführendem Change-Management – und das wiederum verlangt nach einer einer starken, umsichtigen und geduldigen Führungskraft, die überdies ein echter Daten-Experte ist und glaubhaft als neutraler Fachmann auftreten kann.

Die vier wichtigsten Schlüssel-Fähigkeiten für CDOs

Viele Kunden, mit denen ich über das Amt des CDO spreche, haben das erkannt. Mehr noch: Sie haben bereits sehr genaue Vorstellungen davon, welche Kompetenzen diese Führungskraft mitbringen sollte. Meiner Meinung nach sind diese vier Fähigkeiten am wichtigsten, damit ein CDO in seiner Organisation erfolgreich agieren kann:

  1. Instinkt für „Daten-Monetarisierung“: Der CDO sollte ein gutes Gespür für Geschäftschancen haben, die sich in den Datenbeständen eines Unternehmens verbergen. Echten geschäftlichen Nutzen aus Daten zu generieren ist nicht einfach; CDOs brauchen deshalb außer Geschäftssinn und analytischen Fähigkeiten auch viel Kreativität.
  2. Feingefühl für Change-Management: Die Rolle eines Chief Data Officers dreht sich zwar primär um Daten, aber ein CDO muss natürlich auch die Veränderungen managen, die durch das Schaffen seines eigenen Amtes entstehen. Vor allem muss er den Wandel von der auf Abteilungen verteilten Haltung der Daten zu deren unternehmensweiter Nutzung vorantreiben. Den größtmöglichen Wertbeitrag leistet er dann, wenn seine entsprechenden Empfehlungen im ganzen Unternehmen unterstützt, angenommen und umgesetzt werden.
  3. Data-Security Know-how: Ein CDO ist nicht nur Chef-Analyst und Change-Manager, sondern auch eine Art oberster Daten-Hüter, sprich: zuständig für den bestmöglichen Schutz sämtlicher Datenbestände des Unternehmens. Deshalb sollte er zumindest grundlegend etwas von Governance-Richtlinien, Security-Policies und den gängigsten Schutzvorkehrungen für IT-Ressourcen verstehen.
  4. Data-Knowhow und Geschäftsverständnis: CDOs benötigen außer technischem Know-how auch ein gutes Verständnis davon, was im Tagesgeschäft der verschiedenen Unternehmensbereiche vor sich geht. Diese Kombination ist so wichtig, weil ein CDO ohne technisches Fachwissen kaum von seinem Analyseteam ernst genommen werden würde. Und ohne Geschäftsverständnis könnte er wohl kaum auf die Unterstützung der Fachbereiche zählen. Beides braucht er aber, um seine integrierende Rolle überhaupt ausüben zu können.

Abschließend sei noch angemerkt: Wenn die Voraussetzungen stimmen und ein CDO-Kandidat diese vier Kompetenzen mitbringt, spielt der eigentliche fachliche Hintergrund keine große Rolle mehr. Die oder der ideale CDO kann von überall herkommen und nicht notwendigerweise aus der Analytics-, Finanz- oder IT-Abteilung sein. Das bedeutet für alle Unternehmen, die eine CDO-Stelle besetzen: Suchen Sie nicht nach Bewerbern mit scheinbar gut geeigneten Titeln oder Firmennamen im Lebenslauf, sondern lieber nach den hier aufgeführten Schlüsselfähigkeiten. Dann finden Sie sicher einen CDO, der Ihr Unternehmen wirklich voranbringt.