Markus

Manager Presales - Public Sector, EMC Deutschland

Die Hoheit über die Daten

Viele Krankenhäuser in Deutschland hegen den Wunsch wieder Herr über die eigenen Daten zu werden. Das gilt insbesondere im Hinblick auf die vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen der Daten, welche fast schon 1/3 (Fußnote 1) eines Menschenlebens mitgeführt werden müssen – unabhängig davon, von welchen IT-Herstellern die Systeme stammen. Das kann in manchen Krankenhäusern schon zu Problemen führen, zumeist vielen Verantwortlichen erst langsam richtig bewusst wird, dass im Bereich IT die Belegschaft nicht linear mit den Daten wächst.

Abhilfe kann hier nur ein einheitlicher IT-Standard im Gesundheitswesen schaffen, der für eine bessere Integration der verschiedenen Systeme untereinander sorgt – und der dadurch  die Arbeitsbelastung für die IT-Abteilung senkt. Dies leistet die IHE Initiative. Sie propagiert den koordinierten Einsatz etablierter Standards wie DICOM und HL7, um die Patientenversorgung und die Prozesse im Krankenhaus IT-seitig zu optimieren.

Für einen erfolgreichen Einsatz ist allerdings eine IHE-Strategie unerlässlich, die von Geschäftsführung und Klinischem Direktorium mitgetragen werden muss. Dies gilt insbesondere, wenn die Häuser auf Basis von Sektoren kooperieren wollen, um so die Kosten im einzelnen Haus zu optimieren.

Wie Krankenhäuser von einheitlichen Standards profitieren

Einheitliche Standards helfen den Krankenhäusern dabei, sich aus den Fängen der jeweiligen Daten-Silos einzelner Hersteller zu befreien. Die Standards vereinfachen den  Austausch von Daten innerhalb der im Haus eingesetzten Fachverfahren – eine Aufgabe, die bisher oft nur durch den jeweiligen Hersteller selbst erledigt werden konnte. Dies schafft den Häusern die notwendige Freiheit, sich am Markt die beste prozessunterstützende Lösung zu kaufen. Somit können sie sich auch eine Grundlage schaffen, Big Data Analytics für korrelierende Analysen zu nutzen. Krankenhäuser können dadurch z.B. wichtige Kennzahlen für das Krankenhauscontrolling erheben, um die Wirtschaftlichkeit ihres Hauses in Echtzeit zu kontrollieren und zu steuern. In Zeiten der zunehmenden Sparmaßnahmen ist dies der einzige Weg, die Kosten schnell genug zu analysieren, um gegebenenfalls rechtzeitig gegenzusteuern.

IHE als Differenzierungsfaktor im Wettbewerb

In der FAZ erschien 1996 ein Bericht zum „Unternehmen Krankenhaus“. Er sorgte damals für unheimliche Diskussionen in der Branche, da sich die Kliniken bis dahin nicht als Unternehmen gesehen hatten. Heute ist dies die Realität und die Häuser befinden sich in einem Wettbewerb untereinander. Die IT kennt diese Herausforderung in der Nachwuchsrekrutierung schon sehr lange und nennt dies gerne den „War of Talents“. Und der macht sich in den Kliniken ebenso bemerkbar. Dies fängt schon bei Ärzten und Pflegepersonal an – sie schauen sich auch die einzelnen Häuser zunehmend genauer an und analysieren, welches Umfeld sie dort vorfinden.  Gewinner in diesem Kampf um die Talente sind die Häuser, die eine gewisse Attraktivität in der Wertevorstellung des einzelnen Bewerbers haben. Eine erfolgreich umgesetzte IHE-Strategie kann eines der vielen Mosaiksteinchen sein, mit denen sich einzelne Häuser vom Wettbewerb differenzieren können und für Bewerber attraktiver werden.

IHE hilft dem CIO, der Geschäftsleitung und dem Betreiber (öffentliche, freigemeinnützige oder private Krankenhäuser) eine klare Strategie für die nächsten Jahrzehnte zu definieren. Wir Hersteller dürfen hier nicht zurückschrecken. Wir müssen offene Lösungen voranbringen, da nur so der Gordische Knoten im deutschen Gesundheitswesen zerschlagen werden kann. Es hat sich immer gezeigt, dass ein offener Standard zu mehr Wettbewerb führt und die Innovation fördert.

EMC verfolgt das IHE-Thema im Rahmen einer weltweiten Strategie, die sich in den verschiedenen Ländern mal in größeren, mal in kleineren Schritten umsetzen lässt. Sicherlich sind andere Staaten im Vergleich zu Deutschland in komfortableren Positionen, um IHE-Strategien umzusetzen. Viele EU-Nachbarstaaten haben im Gegensatz zu Deutschland bereits den Mehrwert erkannt, den ein weltweiter Standard mit sich bringt. Aber auch einige deutsche Krankenhaus-IT-Leiter erkennen mittlerweile die Vorteile von IHE – denn so versetzen sie sich in die Lage, die Hoheit über ihre Datensilos zurückzuerlangen. Durch IHE schafft die deutsche Gesundheitsbranche letztlich die notwendige Kommunikationsbasis, um regionale Vernetzung und Kostenreduktion herbeizuführen.

(Fußnote 1)

§ 28 Röntgenverordnung – Aufbewahrungsfrist 10 Jahre Röntgendiagnostik (Röntgenaufnahmen von Patienten über 18 Jahre. Die 10jährige Aufbewahrungsfrist beginnt erst ab dem 18. Lebensjahr bei Patienten, sodass alle Röntgenbilder von Kindern und Jugendlichen mindestens bis zur Vollendung des 28. Lebensjahres aufbewahrt werden müssen.)

Quelle: http://www.kvhh.net/media/public/db/media/1/2009/10/92/aufbewahrungsfristen_neu.pdf