Daniel

Archivierung: Ein verstaubtes Relikt oder eine moderne Möglichkeit IT-Kosten zu senken?

Es ist etwas ruhig geworden um das Thema Archivierung in den letzten Jahren. Die erforderlichen Technologien sind vorhanden, die optischen Laufwerke für die Langzeitaufbewahrung sind so gut wie verschwunden, zeitgemäße Festplatten-basierte Systeme, selbstverständlich zertifiziert, habe Einzug gehalten. Die Anbindung an Enterprise Systeme wie ERP oder Email funktioniert. Auch HSM-Lösungen, die inaktive Dateien von teuren Primärspeichern auf günstigere Backend-Speicher verlagern, sind schon lange im Einsatz.

Was aber still und leise passiert, ist das Zusammenlegen dieser beiden Lösungsansätze HSM und Langzeitarchiv sowie der Betrieb eines solchen zentralen Archivs als Cloud, einer Enterprise Storage & Archiving Cloud.

Warum zusammenlegen? Weil es sich im Backend um die gleiche Storage-Klasse handelt, Objekt-basiert, d.h. CAS mit Retention Settings, hohe Verfügbarkeit und Scale-Out-Architektur; weil Anpassungen einfach und ohne Downtime durchzuführen sowie optionale Daten-Deduplizierungsfunktionen verfügbar sind; weil ein großes Volumen zu erwarten ist.

Im Frontend ist die Sache etwas schwieriger, denn ob eine Datei aufbewahrungspflichtig ist oder nicht, hängt von ihrem Inhalt ab. Prinzipiell kann eine HSM-Lösung um sogenannte File Intelligence Funktionen erweitert werden, die den Inhalt einer Datei analysieren. So können beispielsweise Dokumente identifiziert werden, die gar nicht auf File-Servern liegen dürften oder Mediendateien, die als Office Dokumente getarnt sind und somit z.B. in das Backup einfließen. Da auch private Dateien von Mitarbeitern erkannt werden können, ist eine Betriebsvereinbarung erforderlich.

Analysen haben gezeigt, dass nur 25 Prozent der Informationen auf den Primärspeichern dort gut aufgehoben sind. 45 Prozent sind veraltet, 20 Prozent sind Duplikate und fünf Prozent weisen keinerlei Bezug zum Business auf, der Rest müsste genauer untersucht werden. Wie hoch das Einsparungspotential ist wenn die Primärspeicher um 70 Prozent entlastet werden, kann jede IT-Organisation für sich berechnen.

Aber warum sich nur auf inaktive Dateien beschränken? Die Virtualsierung hat es mit sich gebracht, dass virtuelle Server wie Pilze aus dem Boden schießen. Dutzende von Test- und Entwicklungsserver inklusive Anwendung und Daten sind heute in wenigen Minuten bereitgestellt. Was aber geschieht, wenn die Tests abgeschlossen sind? Nichts, da die Testkonfigurationen wertvoll sind. Sie liegen am Primärssystem und verbrauchen Speicherplatz. Warum also nicht solche „inaktiven“ Server ebenfalls in eine Storage Cloud schieben, in der sie übrigens wegen der Deduplizierung fast keinen Speicherplatz mehr benötigen.

Welche Assets gibt es noch, die inaktiv sind? Anwendungen! Manchmal ist ein Release-Wechsel einer Applikation aufwendiger als die aktuelle Anwendung neu zu installieren. Nicht selten wird die Gelegenheit genutzt, auf ein Wettbewerbsprodukt umzuschwenken. Aber was macht man mit der alten Anwendung und vor allem mit den Daten? In der Regel laufen sie weiter, benötigen Speicherplatz und CPU, greifen unter Umständen auf eine Datenbank zu, die ebenfalls Ressourcen benötigt und für die hohe Wartungsgebühren anfallen. Kenntnisse des Datenmodells vorausgesetzt, lassen sich die Daten aus den Anwendungen extrahieren, recherchierbar zusammenstellen und ebenfalls archivieren. Danach kann die virtualisierte Anwendung entweder ebenfalls archiviert oder komplett abgeschaltet werden. So können neben Speicherplatz auch Rechenkapazitäten sowie Wartungs- und Energiekosten eingespart werden.

Neue Konzepte wie EMC ViPR, die Software-Defined Storage (SDS) Lösung von EMC, bringen zusätzliche interessante Aspekte. ViPR bietet Object-Store-Funktionalitäten im Data Services Layer, unabhängig von der darunter liegenden Storage Hardware. Vorhandene und SDS-kompatible Storage Arrays lassen sich somit problemlos in die Gesamtlösung integrieren. Dies dient dem Schutz bereits getätigter Investitionen.

Im Übrigen lassen sich die beschriebenen Lösungsideen ideal in ein mehrstufiges Konzept einbinden. Damit können Potenziale Schritt für Schritt gehoben werden und der Ausbau der Storage Cloud wird konkret planbar.