Dinko

Senior Vice President and Managing Director Dell EMC, Enterprise Sales Deutschland

Triple T – Ihr Transformationsticket für 2017

2016 wird als das Jahr der disruptiven Marktverwerfungen in die Geschichte eingehen: Scheinbar unumstößliche Branchengrenzen sind bis zur Durchlässigkeit erodiert. Ob Finanz- oder Automobilindustrie – überall sehen sich etablierte Player, die vor kurzem noch als unangreifbar galten, plötzlich mit neuen Konkurrenten konfrontiert. Mittlerweile bestreitet wohl niemand mehr, dass die Digitalisierung die Hauptursache für all diese irreversiblen Veränderungen ist. Doch wie schaffen es Unternehmen, sich rechtzeitig an den digitalen Umbruch anzupassen? 2016 war auch das Jahr, in dem sich strategische Antworten auf diese Frage abzeichneten.

Es ist schon erstaunlich: Samsung und Apple reden über Connected Cars. Google will im Smart-Home-Markt mitmischen, und traditionsreiche Großbanken – nun ja, die suchen oft noch nach der richtigen Strategie, um ihre Kunden nicht an FinTech-Startups aus der digitalen Welt zu verlieren. Digitale Produkt- und Serviceideen schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Andererseits werden viele Geschäftsmodelle, die uns Jahre und Jahrzehnte lang begleitet haben, das kommende Jahrfünft vermutlich nicht überstehen.

Standort Deutschland 4.0

Was ist passiert, dass alte Marktregeln derart gründlich außer Kraft gesetzt wurden? Eigentlich etwas sehr Positives – nämlich die fast flächendeckende Verfügbarkeit einer digitalen Grundversorgung und massenhafte Ausbreitung mobiler Endgeräte quer durch alle Bevölkerungsschichten. In Deutschland ist die gesellschaftliche Digitalisierung auch deshalb auf so gutem Wege, weil es in Politik, Wirtschaft und Verbänden einen breiten Konsens über die Notwendigkeit gibt, den digitalen Wandel aktiv gemeinsam zu gestalten. Ich erinnere hier nur an den Nationalen IT-Gipfel im letzten November. Aber auch das wenig später von Bundesministerin Andrea Nahles präsentierte Weißbuch „Arbeiten 4.0“ zeugt von diesem Gestaltungswillen auf höchster politischer Ebene.

Über Details, Prioritäten und das geplante Realisierungstempo mag man im Einzelnen streiten – insgesamt jedoch scheint mir eines offenkundig: Die Verantwortlichen hierzulande haben die Tragweite der digitalen Revolution erkannt. Sie wissen, dass es um nichts weniger als die Zukunft unserer Volkswirtschaft geht. Nicht umsonst heißt einer der zehn Punkte in der Digitalen Agenda 2025 der Bundesregierung „Standort Deutschland 4.0“.

Was David besser als Goliath kann

Was haben junge Startups aus der FinTech-Szene vielen alteingesessenen Banken voraus? Ihre Belegschaft setzt sich meist überwiegend aus Digital Natives zusammen. FinTechs selbst sind sozusagen native Digital Companies: Sie ziehen nicht nur im Kundenkontakt alle digitalen Technologieregister – auch ihre Unternehmensorganisation samt allen Hierarchien hat sich vom ersten Tage an aus dem Geist der digitalen Ära heraus entwickelt. Anders als die meisten etablierten Kreditinstitute haben sie ihre digitale Transformation gleichsam schon seit ihrer Geburtsstunde hinter sich.

Deutlich sichtbar wird der Digitalisierungsvorsprung vieler FinTech-Startups nicht etwa am vergleichsweise trendigen Outfit ihrer Mitarbeiter, sondern am kreativen Einsatz innovativer Technologien für extrem kundenorientierte Geschäftsmodelle. Tatsächlich resultiert aus der Fähigkeit, individuelle Kundenbedürfnisse situationsbezogen antizipieren und punktgenau durch personalisierte Angebote beantworten zu können, der entscheidende Wettbewerbsvorteil aller digital exzellenten Firmen. Herausgefordert werden etablierte Goliaths aber nicht nur in der Finanzwirtschaft von agilen Startup-Davids, sondern auch in anderen Branchen. Die gute Nachricht dabei ist: Digitale Exzellenz kann (und muss) jedes Unternehmen lernen.

Disruption – das Wort flößt zunächst Furcht ein. Hinter jeder Disruption stehen indessen tausend Chancen. Alles in allem also Gründe genug, die digitale Transformation im eigenen Unternehmen 2017 mit Hochdruck weiter voranzutreiben. Wie die Praxis erfolgreicher Digitalisierungsvorreiter aus dem vergangenen Jahr zeigt, gründet sich die Transformationsstrategie auf TTT: Technologie, Team und Trust.

T1: Technologietransformation

Moderne IT-Lösungen sind heute in der Lage, Massendaten aus verschiedenartigen Quellen quasi in Echtzeit auszuwerten und in unterschiedlichen Geschäftskontexten für schnelle und besser fundierte Entscheidungen zu interpretieren. Tatsächlich wurden 90 Prozent aller heute existierenden digitalen Daten innerhalb der letzten zwei Jahre generiert. Die darin enthaltenen Informationen gelten heute als wichtigste Unternehmensressource. Allerdings liefert diese Ressource einen echten Mehrwert erst auf der Basis automatisierter Verarbeitungs- und Analyseprozesse, die aus den Informationen gleichsam den Treibstoff für kundennahe Online-Serviceangebote destillieren. Dafür wiederum wird neue, markt- und produktbezogene Software gebraucht. Das Problem dabei ist, dass in den meisten Unternehmen über 20 Jahre hinweg keine einzige Zeile Programmcode geschrieben wurde. Strategisch ergibt sich daraus eine klare Verschiebung: Die bisherige Regel „Kauf Software und bau Deine Infrastruktur“ wird abgelöst durch „Bau Deine spezifische Software und kauf Dir die passende Infrastruktur“.

T2: Transformation im Team

Digitale Technologien bewirken ohne Digital Mindset fast nichts. Digital Empowerment, die digitale Befähigung der Belegschaft ist deshalb von essenzieller Bedeutung für den Transformationsfortschritt. Dazu gehört die Bereitstellung digitaler Kommunikationstools, die selbstverständlich auch ein zeitgemäßes Nutzungserlebnis bieten müssen, ebenso wie in der HR-Abteilung ein neuer Recruiting-Fokus speziell auf junge Talente aus der Generation der Digital Natives. Aber auch die gezielte Schulung der Bestandsmitarbeiter wird immer wichtiger. Denn junge Jobsuchende sind aus demografischen Gründen schon heute Mangelware auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem werden künftig vermehrt spezifische digitale Qualifikationen benötigt – zum Beispiel im Bereich Datenanalytik oder für agile Softwareentwicklung.

T3: Trust – die Transformation Ihrer IT-Sicherheit

Vertrauen ist die wichtigste Währung in der digitalen Ära: Ohne das Vertrauen der Verbraucher auf einen verlässlichen Informationsschutz haben digitale Geschäftsmodelle auf lange Sicht keine Chance. Cyber-Gefahren drohen nicht nur durch einen möglichen Diebstahl hochsensibler personenbezogener Informationen, sondern auch durch gezielte Hackerangriffe auf die Verfügbarkeit der Serviceinfrastruktur. Umso dringlicher wird es, im Interesse der Kunden einen ganzheitlichen adaptiven IT-Security-Ansatz zu verwirklichen und auf allen Infrastrukturebenen zu implementieren. Dabei gilt es zum einen, Infiltrationsrisiken durch Malware so weit wie möglich zu minimieren. Zum anderen brauchen Unternehmen die Fähigkeit, auf jeden erfolgten Angriff im Sinne der Schadenvermeidung schnell und präzise zu reagieren.

Mein heutiges Fazit: Auf dem Transformationswegweiser für 2017 stehen die drei großen Buchstaben „TTT“. Und damit verabschiede ich mich für 2016 auf diesem Blog und wünsche Ihnen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!

Ihr

Dinko Eror