Reimund

CTO, EMC Deutschland

Abschied von der Festplatte: Warum Flash für agile Rechenzentren heute unverzichtbar ist

Von Reimund Willig, CTO Germany bei Dell EMC

Wussten Sie eigentlich, dass die klassische Hard Disk vor genau 60 Jahren ihren kommerziellen Siegeszug durch die Rechenzentren dieser Welt antrat? Für mich hat dieses Jubiläum allerdings einen Beigeschmack von Abgesang, denn die konventionelle Festplatte hat ihre besten Zeiten eindeutig hinter sich. Flash-Medien laufen ihr den Rang ab: Laut einer Prognose der weltweiten Technologie-Community Wikibon könnte die Ära der Disk-Dominanz im Rechenzentrum schon innerhalb der nächsten zehn Jahre zu Ende gehen.

Wikibon geht davon aus, dass Flash und Festplatten als Primärspeicher im Jahr 2020 gleichauf liegen werden. 2026 soll der Flash- den Disk-Anteil schon um den Faktor 30 übersteigen! Auch unsere Erfahrungen sprechen für die Thesen von Wikibon: Nur sechs Wochen nach der Markteinführung im November 2013 belegte unsere Lösung XtremIO in der Liste der meistverkauften All-Flash-Arrays bereits Platz 3. Innerhalb der folgenden sechs Monate legte XtremIO dann die schnellste Marktdurchdringung hin, die eines unserer Produkte jemals erreicht hat: Der Markanteil war Mitte 2014 fast dreimal so hoch wie das zweitplatzierte Konkurrenzprodukt. Im diesem Jahr schließlich haben wir von Dell EMC den Fokus unseres gesamten Primärspeicher-Portfolios auf den All-Flash-Ansatz verschoben. Das betrifft auch unsere weitverbreitete VMAX-Plattform sowie die jüngst eingeführten Mid-Range-Systeme Dell EMC Unity.

Flash ist heute ganz klar zum Standard bei neu anzuschaffendem Primärspeicher geworden, genauso wie für jede konvergente Infrastruktur. Dennoch gibt es nach wie vor Zweifel an der Tauglichkeit der Flash-Technologie für das Rechenzentrum. Ich glaube, es ist an der Zeit, mit diesen Mythen aufzuräumen.

Mythos 1: Flash ist zu teuer!

Die Kosten von Flashspeicher für Primärdaten werden in diesem Jahr erstmals auf das Level von Disk-Storage fallen. Schon heute bieten High Performance HDDs mit 10.000 bis 15.000 Umdrehungen pro Minute keinen Kostenvorteil mehr gegenüber ihren Flash-Nachfolgern. Tatsächlich sind die Anschaffungskosten pro Gigabyte für Flash Enterprise Storage mittlerweile absolut konkurrenzfähig geworden. Vor allem aber punktet die Flash-Technologie mit signifikant geringeren Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) – wenn man deren Datenkompressions- und De-Duplikationsfähigkeiten, ihre vereinfachte Administration sowie den reduzierten Wartungsaufwand, Energieverbrauch und Kühlungsbedarf in die Rechnung einbezieht.

Das amerikanische Marktforschungsinstitut Enterprise Strategy Group (ESG) verglich kürzlich die TCO traditioneller Hybrid Arrays aus Flash- und HDD-Systemen eines mittelständischen Softwareentwicklungsunternehmens mit den Gesamtkosten nach der Konsolidierung der gemischten Arbeitslast auf Basis der Scale-Out-Lösung XtremIO. Die ESG-Analysten kamen zu dem Schluss, dass eine derartige Storage-Konsolidierung mit XtremIO bei Produktivdaten, in Test- und Entwicklungsumgebungen sowie beim VDI-Einsatz über fünf Jahre hinweg zu einer TCO-Reduktion um den Faktor 3,8 führt. Das entspricht einer durchschnittlichen Kostenersparnis von mehr als einer halben Million Euro pro Jahr.

Mythos 2: Flash nutzt sich schnell ab

Der Grund für die Abnutzungserscheinungen von Flash liegt meist in der Entstehung von Hot Spots – womit ich physische Areale auf dem Medium meine, in denen gehäuft immer wieder Daten geschrieben werden. Generell ist es zwar richtig, dass Flashspeicher ein sich abnutzendes Medium ist. Gleichwohl sind moderne Systeme in der Lage, dieser Eigenschaft entgegenzuwirken und ihren Einfluss auf den Endnutzer zu minimieren – zum Beispiel durch proaktive Mechanismen, die das Entstehen von Schreib-Hot-Spots verhindern. Dank intelligenter Lastverteilung, einer verringerten mechanischen Fehlerrate und verbesserter Haltbarkeit haben Flashs inzwischen sogar eine längere Lebenserwartung als konventionelle Festplatten.

Mythos 3: Flash-Performance spielt für mein Unternehmen keine Rolle

Mit dem Aufkommen von Echtzeit-Geschäftsmodellen, die auf Tests und Online-Datenanalysen basieren, kommt man mit nächtlichen Batch-Läufen auf Dauer in keinem Business aus. Moderne, konkurrenzfähige Unternehmen, die mit dem wachsenden Markttempo schritthalten wollen, brauchen künftig die Fähigkeit, Daten nahezu in Echtzeit zu verarbeiten. Flash ist die einzig realistische Option, um das dafür notwendige Performance-Level zu erreichen.

Viele Firmen, deren Geschäftsmodell auf datenintensiven Anwendungen bzw. Diensten basiert, haben dies längst erkannt und setzen Flash gezielt ein, um ihre Agilität auf dem Markt zu verbessern. Flash bringt aber auch für die IT greifbare Vorteile: Mit XtremIO können Datenanalysen beispielsweise auf derselben Plattform laufen wie die produktive Datenbank. Das heißt: Schnellere Ergebnisse mit weniger Aufwand und Kosten bei gleichzeitig höherer Stabilität und Verfügbarkeit. Laut ESG-Schätzungen können sich solche Agilitätsvorteile auf eine jährliche Ersparnis von bis zu 587.000 Euro belaufen. Viele XtremIO-Anwender nutzen die All-Flash-Lösung überdies für Live-Kopien ihrer Produktivdaten, um Test- und Entwicklungszyklen sowie Analytics-Anwendungen zu beschleunigen, ihre Datensicherheit zu verbessern und zugleich den Kapazitätsbedarf zu senken. XtremIO ermöglicht sofortige, platzsparende Kopien von Produktions- und Anwendungsdaten – ohne die Leistung produktiver Anwendungen zu beeinträchtigen.

Für die meisten Unternehmen ist eine 2-Tier-Architektur derzeit die beste Option: ein All-Flash-Layer für alle produktiven Daten und eine zweite, performance-unkritische Schicht für Backup und Archivierung; in letzterer können vorhandene HDDs problemlos weiterverwendet werden.

Alles nur Theorie?

Keineswegs. Zum Beispiel hat Callaway Golf, ein kalifornischer Anbieter von Golf-Ausrüstung, im Zuge seiner IT-Transformation alle Primärspeicher auf All-Flash umgestellt. Auf diese Weise sollte die Auslieferung von der Fabrikhalle bis zum Kunden deutlich beschleunigt und den wachsenden Kundenansprüchen entsprochen werden. Mit Fokus auf Produktinnovation und Kostensenkung führte das Unternehmen XtremIO zur schnelleren Anwendungsentwicklung, für verkürzte Testlaufzeiten sowie im gesamten SAP-Umfeld ein. Callaway gelang es auf diese Weise, seine Storage-Kosten zu halbieren und die Speichereffizienz um 60 Prozent zu erhöhen. Ich führe dieses Beispiel deshalb an, weil es zeigt, dass sich die Flash-Vorteile nicht nur für junge Start-ups aus der digitalen Welt auszahlen, sondern auch für Unternehmen mit einem eher traditionellen Geschäftsmodell.

Die Tage der Hard Disk sind also gezählt – denn es gibt einfach keinen finanziellen oder praktischen Grund mehr, auf die Vorzüge der Flash-Technologie zu verzichten.

Ihr Reimund Willig