Dinko

Senior Vice President and Managing Director, Dell EMC Germany, Enterprise Sales

Wie gut kennen Sie die internen und externen Treiber Ihrer digitalen Transformation?

Von Dinko Eror

Die Digitalisierung der eigenen Organisation ist für die meisten Unternehmen längst keine Option mehr, die man wahrnehmen oder bleiben lassen kann. Denn der digitale Wandel verändert die globalen Märkte fundamental. Nur wer mit diesen Veränderungen schritthält, kann seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig ausbauen und festigen. Das gilt nicht etwa nur für Einzelunternehmen, sondern genauso für ganze Volkswirtschaften. Umso wichtiger wird es für uns als Exportnation, dass wir uns mit den Treibern und Wegbereitern der digitalen Transformation genauer auseinandersetzen.

Während ich diese Zeilen schreibe, geht in Saarbrücken der zehnte Nationale IT-Gipfel in die zweite Runde: Die Kanzlerin wird heute erwartet, der Bundeswirtschaftsminister wird sprechen – und ich bin gespannt, wie die höchsten politischen Entscheidungsträger den Status quo und die Entwicklungsperspektiven für die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft einschätzen.

Es gibt noch viel zu tun!

So wichtig das diesjährige Gipfelgeneralthema „Digitale Bildung“ für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes auch ist – mich ließ in diesem Zusammenhang eine andere Nachricht vom Branchenverband BITKOM zwei Tage vor dem Gipfel aufhorchen: Die Hälfte aller Unternehmen in der Bundesrepublik haben noch keine belastbare Digitalisierungsstrategie. Wo stehen wir tatsächlich im internationalen Vergleich? Auskunft darüber gibt eine aktuelle globale Digital-Business-Studie von Dell Technologies. Ihr zufolge zählt hierzulande nur jede zwanzigste Firma zu den Digital Leaders. Das entspricht ziemlich genau dem Durchschnittswert der 16 großen Industrie- und Schwellenländer, die in der Studie berücksichtigt wurden. Durchschnitt heißt genaugenommen Mittelmaß – also noch weit entfernt von dem großen Ziel, durch eine kluge Ausnutzung aller Digitalisierungspotenziale dafür zu sorgen, dass „wir in Deutschland weiterhin die Champions der industriellen Wertschöpfung“ bleiben, wie es die Kanzlerin auf dem Vorjahresgipfel in Berlin formulierte.

Der Wettbewerb ist der wichtigste Digitalisierungstreiber

Ich erwähne die Digital-Business-Studie in diesem Kontext vor allem deshalb, weil aus dieser empirischen Erhebung hervorgeht, was genau die Digitalisierung antreibt. Der Druck kommt aus allen Richtungen: Jedes zweite deutsche Unternehmen sieht sich derzeit mit neuen Wettbewerbern konfrontiert, deren Geschäftsmodell auf digitalen Technologien basiert. Vier von zehn Entscheidern können nicht einschätzen, wie ihre Branche in drei Jahren aussehen wird. Ebenso viele sind in Sorge, das eigene Geschäftsmodell könne in spätestens fünf Jahren obsolet geworden sein. Und drei Viertel aller deutschen Studienteilnehmer fühlen sich von nativ-digitalen Startups bedroht. Denn deren Angebote verändern massiv die Erwartungen der Kunden: Schneller, individueller und rund um die Uhr per App mobil verfügbar – solche Serviceanforderungen stellen Verbraucher heute auch an alle nicht nativ-digitalen Anbieter, die sogenannten Digital Immigrants. Der Wettbewerb ist in vielen Branchen folglich der zentrale Digitalisierungstreiber.

Fünf Digitalisierungshürden – und wie man sie überspringt

Nur ein Drittel aller deutschen Unternehmen kann nach eigenem Bekunden die wichtigsten Erwartungen seiner Kunden erfüllen. Zwei Drittel räumen ein, dass die Digitalisierung ihrer Organisation den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt. Warum ist das so? Was bremst den digitalen Fortschritt? Laut Studie sind dafür hauptsächlich fünf Faktoren verantwortlich:

  1. Zu wenig Unterstützung durch das Management: Es ist absolut erfolgskritisch, dass die Digitalisierung nicht nur als rein technologische Angelegenheit verstanden wird, sondern vor allem als grundlegender Wandel von Organisationsprozessen einschließlich der Unternehmenskultur. Die digitale Strategie darf daher nicht allein der IT-Abteilung überlassen bleiben – sie gehört definitiv auf die Agenda in der Chefetage.
  2. Fehlende Expertise im eigenen Haus: Die Initiativen zur digitalen Bildung, die gegenwärtig auf dem IT-Gipfel in Saarbrücken diskutiert werden, können ihre Wirkung erst mittel- bis langfristig entfalten. Um dem akuten Mangel an Digital Skills kurzfristig zu begegnen, sind Qualifikations- und geeignete Recruiting-Maßnahmen unumgänglich.
  3. Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Informationssicherheit: Überall, wo schutzwürdige Informationen wie personenbezogene Kundendaten eine Rolle spielen, stehen Unternehmen naturgemäß in einer besonderen Verantwortung. Umso wichtiger ist es, IT- und Cloud-Security als einen elementaren Baustein in der übergeordneten Digitalisierungsstrategie zu verankern. Ein nachweisbar sorgsamer Umgang mit sensiblen Daten schafft im Übrigen auch Vertrauen bei den Kunden – ein eminent wichtiger Wettbewerbsvorteil in der digitalen Ära.
  4. Mangel an Technologien, die mit den Geschäftsprozessen schritthalten können: Die Digitalisierung erfordert eine gleichsam elastische IT-Grundlage, die in der Lage ist, jede Modifikation und Neustrukturierung von Prozessen ohne Zeitverzug und nennenswerten Aufwand abzubilden. Eine solche agile IT ist ohne Frage nur mit konvergenten Infrastrukturen realisierbar.
  5. Nicht genügend Budget und Ressourcen: Diese Digitalisierungshürde lässt sich durch die Optimierung der IT-Landschaft aus dem Weg räumen. Dazu gehört zum Beispiel das Auflösen historisch gewachsener Silos, die durch hohen Wartungsaufwand Flexibilität verhindern, laufende Kosten in die Höhe treiben und personelle Ressourcen binden. Wirklich agil wird die IT allerdings erst durch eine weitgehende Virtualisierung und den Aufbau einer hybriden Cloud-Umgebung. Auf lange Sicht sinken damit die IT-Kosten sogar, weil alle verfügbaren Kapazitäten stets optimal ausgelastet sind.

Alles in allem zeigt die Studie von Dell Technologies, dass die deutsche Wirtschaft noch einen langen Weg auf ihrem Digitalisierungspfad vor sich hat. Sie zeigt aber auch, dass die digitale Transformation jedem einzelnen Unternehmen eine nie da gewesene Chance bietet, seine Geschäftstätigkeit als Reaktion auf disruptive Marktveränderungen immer wieder quasi neu zu erfinden. Diese Chance hat ein Großteil der hiesigen Unternehmen offenbar erkannt: Jedes sechste von ihnen will in seine IT-Entwicklung und den Aufbau digitaler Expertise investieren. Ihre wichtigsten Prioritäten lauten dabei: konvergente Infrastrukturen, Ultra-High-Performance-Computing, das Internet der Dinge und last but not least Big Data Analytics. Insofern ist die neue Studie für mich ein hoffnungsvolles Signal, dass die Digitalisierung in Deutschland mit höherem Tempo weiter vorankommen wird.

Ihr

Dinko Eror