Matthias

Country Manager Germany, Virtustream

Wie gut ist Ihre Firma für den digitalen Wandel aufgestellt?

Von Matthias Zastrow 

Mit dem „Digital Business Research“ legt Dell Technologies eine Studie über den digitalen Reifegrad aller wichtigen Industrie- und Schwellenländer rund um den Globus vor. Was für deutsche Unternehmen daran so bedeutsam ist? Vor allem, dass sie die eigene Veränderungsbereitschaft im internationalen Vergleich realistisch einschätzen können. Denn nur wer seinen Status quo kennt, kann strategisch die richtigen Schlüsse ziehen – sowohl auf technologischer als auch auf organisatorischer Ebene.

https://www.youtube.com/watch?v=zfvGtYvwTlA

Schon beim ersten Durchblättern der Studie fiel mir ein Diagramm auf, das mich an eine Verteilungskurve aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung erinnert: Von links steigt eine Kurve an, erreicht in der Mitte ihr Maximum und fällt nach rechts hin wieder ab.

Vogel-Strauß-Strategie hilft nicht weiter

Allerdings bildet dieses Maturity-Score-Diagramm keine abstrakte Wahrscheinlichkeit ab, sondern zeigt eine ganz konkrete Realität: Der Kurvenbauch in der Mitte stellt die Mehrzahl all jener Unternehmen dar, die bereits auf dem digitalen Pfad unterwegs sind. Manche von ihnen eher vorn, andere weiter hinten. Ganz rechts im Diagramm sieht man die Spitzengruppe. Das sind rund fünf Prozent aller Firmen, bei denen das digitale Business sozusagen schon in die Gene übergegangenen ist. Das linke Kurvenende hingegen repräsentiert dreimal so viele Nachzügler-Digitalisierungsverweigerer, die ihr Unternehmen noch nicht oder nur in sehr geringem Maß an die aktuellen, gravierenden Marktveränderungen angepasst haben.

Ausgelöst werden diese Veränderungen hauptsächlich durch die technologische Entwicklung – was für Unternehmen wiederum den Digitalisierungsdruck verstärkt. In vielen Branchen stoßen Startups jahrzehntelang gültige Spielregeln um. Zum Beispiel in der Kreditwirtschaft, wo sich sogenannte FinTechs mit digitalen Serviceangeboten, die auf Smartphones und Tablets zugeschnitten sind, in die Wertschöpfungskette etablierter Finanzdienstleister einklinken. Ob Zahlungsabwicklung, Kontoführung, Geldanlage, Online-Kredit oder Produktversicherung: Mit ihren digitalen App-Offerten machen FinTechs den alteingesessenen Banken und Versicherungen nicht nur Umsatzanteile streitig, sondern ebenso die damit verbundenen Kundenkontakte. So erfahren sie im Lauf der Zeit immer mehr über die Kunden – und können folglich ihre Angebote immer besser personalisieren. Laut „Digital Business Research“ sehen weltweit mehr als drei Viertel aller Unternehmen in digitalen Startups eine Bedrohung für das eigene Geschäft. Fast zwei Drittel müssen sich als Folge der technologischen Entwicklung schon heute mit den Newcomern in ihrer Branche auseinandersetzen.

Von den Digital Leaders lernen

Warum sind Startups erfolgreicher als viele konventionelle Unternehmen? Sie stammen aus der digitalen Welt; ihre Belegschaft setzt sich größtenteils aus Digital Natives zusammen, sodass sie von Hause aus eine digitale DNA mitbringen. Startups haben meist eine ganz andere Kommunikationskultur und Produktphilosophie: Social Media statt E-Mails; überwiegend kurze, dafür aber mehr informelle Strategie-Meetings – mit dem Erfolg, dass sie sehr schnell entscheiden und hochflexibel auf aktuelle Marktchancen reagieren können.

Startups nutzen digitale Technik aber auch für die Produktentwicklung, wobei sie durch schnelle Prototypentwicklung die späteren Anwender frühzeitig einbeziehen: Durch ein iteratives Vorgehen, das langwierige Marktforschungen ersetzt, wird der ursprüngliche Prototyp dann Schritt für Schritt zu einer marktreifen Lösung perfektioniert – einer Lösung, die zu den realen Kundenerwartungen wie die Faust aufs Auge passt. Übrigens führt der Verzicht auf theoretische Marktforschungen im Vorfeld auch hier wieder zu einem Geschwindigkeitsvorteil im Wettbewerb.

Ein weiteres Merkmal, das digital erfolgreich transformierte Unternehmen mit den besten Startups verbindet: Sie extrahieren aus den täglich anfallenden Massendaten geschäftlich wertvolle Informationen. Idealerweise geschieht dies in Echtzeit mit geeigneten Big-Data-Analysen – wovon schon heute unter anderem mancher Fertigungsbetrieb profitiert: Durch die Echtzeit-Auswertung von Status- und Bewegungsdaten der Sensoren und Stellglieder eines IP-vernetzten Maschinenparks lassen sich beispielsweise extrem flexible Steuerungsprozesse etablieren. Und zwar so, dass ein Hersteller in der Lage ist, ad hoc auf kurzfristige Kundenanforderungen zu reagieren – statt wie bisher Materialplanungsläufe zu fahren, die wegen ihrer stundenlangen Dauer nur am Wochenende möglich sind. Mit solcher Agilität verändern Digital Leaders den Markt ebenso wie mit bedarfsgerecht personalisiertem Service. Denn früher oder später erwarten die Kunden das gleiche Maß an Flexibilität und Individualität auch von anderen Anbietern.

Es liegt auf der Hand, dass Big-Data-Szenarien wie das Beispiel der intelligenten Fabrik nur durch konvergente Ultra-High-Performance-Lösungen umsetzbar sind. Dies erkennen offenbar auch immer mehr Unternehmen. Jedenfalls gehört dieses Technologiesegment zu den Top-Investitionsprioritäten der für die Studie befragten Entscheider.

Egal, wo Sie sich selbst im Digital Maturity Score verorten – ich glaube fest daran, dass die digitale Transformation für jedes Unternehmen einzigartige Chancen auf mehr Kundennähe und höhere Agilität im Wettbewerb bereithält. Vorausgesetzt natürlich, die notwendigen Veränderungen in der eigenen Organisation werden beizeiten angepackt. Dafür wünsche ich Ihnen Mut und Überzeugungskraft! Denn es gilt, möglichst alle Mitarbeiter rechtzeitig mit ins Boot zu holen und für die anstehende Transformation zu begeistern.

Ihr Matthias Zastrow