Dinko

Senior Vice President and Managing Director Dell EMC, Enterprise Sales Deutschland

Es geht um mehr als Effizienz: Plädoyer für eine neue Haltung der Behörden zur Digitalisierung

Auf dem Zukunftskongress in Berlin treffen sich diese Woche Deutschlands führende Fachleute für Behördenwesen, Verwaltung und die entsprechende IT. Auf der Tagesordnung steht natürlich die Digitalisierung. Das Thema ist für viele Behörden noch immer sowohl etwas Krisenhaftes als auch der Schlüssel zu mehr Effizienz. Beides ist nicht falsch – aber doch hinderlich.

Mir kommt es vor, als sei würde die Mehrheit der öffentlichen Verwaltung die Digitalisierung noch immer überwiegend kritisch sehen – ein notwendiges Übel, um Kosten zu sparen. Wer einen Blick in die Konferenzbroschüre des kommenden Berliner Zukunftskongresses wirft, kann das vielleicht nachvollziehen: Da heißt es schon auf der ersten Seite, der Titel der diesjährigen Veranstaltung sei „Krise als Chance – gemeinsam handeln im föderalen Staat: Effizient und digital!“. Weiter hinten ist dann von „Handlungsfeldern“ die Rede, von „Strukturen“ und der bereits erwähnten „Effizienz“. Von der Begeisterung, die Digitalisierungs-Befürworter in der Wirtschaft verbreiten, ist dagegen wenig zu spüren. Ist das wirklich die Haltung, aus der heraus wir die Verwaltung unserer Gemeinden und Länder modernisieren wollen?

Tatsache ist: Die Behörden haben es schwer

Zunächst vorab: Der Titel der Veranstaltung ist weder schlecht gewählt noch irreführend: Die Verwaltungsbehörden in Deutschland stehen tatsächlich schon lange unter gewaltigem Arbeits- und Effizienzdruck; jüngere Entwicklungen wie die Flüchtlingskrise haben diesen zuletzt kräftig erhöht. Die Digitalisierung – sprich auch: Standardisierung, Vernetzung und Automation – vieler Verwaltungstätigkeiten kommt tatsächlich nur langsam voran; Jahr für Jahr bestätigen Untersuchungen, was wir alle schon selbst vermutet haben: Digitalisierungsvorhaben verlaufen schleppend, im Vergleich mit vielen EU-Nachbarländern schneidet Deutschland nicht gerade gut ab. Die Lage könnte also wirklich besser sein.

Trotzdem: Wir brauchen eine andere Digitalisierungs-Rhetorik

Nur: Mit Jammern kommen wir nicht weiter. Jeder Manager weiß, dass er, wenn er eine Organisation aus einer schwierigen Lage führen will, ein positives Bild der Zukunft zeichnen muss. Eines, das mehr Möglichkeiten und Nutzen enthält als Pflichten, mehr Vorteile als „Strukturen“. Eines, in dem die Beteiligten sich und ihre Arbeit als etwas erkennen können, das auf ein höheres Ziel gerichtet ist – und nicht bloß auf mehr Effizienz. Deshalb meine ich: Die Digitalisierung des Verwaltungswesens braucht eine neue, andere Haltung und Rhetorik. Und deshalb plädiere ich dafür, dass wir weniger über die Schwierigkeiten und Engpässe im Verwaltungswesen sprechen – und stattdessen mehr über Gestaltungsmöglichkeiten reden.

Gute Gründe für die Digitalisierung

Dabei sollte es natürlich nie darum gehen, die Wahrheit zu verschweigen oder schönzufärben. Aber eben doch darum, andere – und vielleicht bessere – Gründe für die Digitalisierung anzuführen, als wir es bisher tun.

Wie wäre es beispielsweise, wenn wir diese Punkte berücksichtigen würden:

  • Effektivität statt nur Effizienz – auf die Wirkung kommt es an

Wir alle wissen im Grunde: Die Zahl der Mitarbeiter, die man mit der Aussicht auf mehr Effizienz für irgendetwas begeistern kann, ist sehr begrenzt. Auch Verwaltungsangestellte tun ihre Arbeit sicher nicht, um sie möglichst schnell und günstig zu erledigen – sondern deshalb, weil sie ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern auf bestimmte Art und Weise helfen wollen. Also: Sprechen wir nicht mehr von Effizienzgewinnen, wenn wir über Digitalisierung reden – die stellen sich meist ohnehin ein. Sondern sprechen wir von mehr Effektivität. Also von Behördendiensten, die plötzlich rund um die Uhr online verfügbar sind und viel verständlicher werden. Von öffentlichen Hilfsangeboten, die Bedürftige ohne Sorgen oder Scham im Netz beantragen. Oder von anderen Arten, wie digitale Technologien Verwaltungsangehörige dabei unterstützen, Bürgern schneller, besser und sogar persönlicher zu helfen als je zuvor.

  • Mehrwert und Eigennutz statt „Kosten, Kosten, Kosten“

Wir sollten aufhören, immer so zu tun, als reduziere die Digitalisierung vor allem Zeitaufwand und Kosten. Das tut sie natürlich, aber sie ermöglicht eben auch noch mehr: Sie schafft jede Menge Arbeitserleichterung. Sie macht mühsame, fehleranfällige und langweilige Tätigkeiten überflüssig. Und sie sorgt sogar für mehr Spaß bei der Arbeit! Jeder, der schon einmal von einer althergebrachten auf eine zeitgemäße Geschäftsanwendung umsteigen durfte, weiß genau, wie viel mehr Freude Arbeit machen kann, wenn man das richtige Werkzeug zur Verfügung hat. Also machen wir Schluss mit der reinen „Schlanker-Schneller-Sparsamer-Rhetorik“ – und reden wir stattdessen über den Mehrwert und den Nutzen, den digitale Technologien für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bringen könnten.

Fazit

Wir sollten aufhören, immer so zu tun, als reduziere die Digitalisierung vor allem Zeitaufwand und Kosten. Das tut sie natürlich, aber sie ermöglicht eben auch noch mehr: Sie schafft jede Menge Arbeitserleichterung. Sie macht mühsame, fehleranfällige und langweilige Tätigkeiten überflüssig. Und sie sorgt sogar für mehr Spaß bei der Arbeit! Jeder, der schon einmal von einer althergebrachten auf eine zeitgemäße Geschäftsanwendung umsteigen durfte, weiß genau, wie viel mehr Freude Arbeit machen kann, wenn man das richtige Werkzeug zur Verfügung hat. Also machen wir Schluss mit der reinen „Schlanker-Schneller-Sparsamer-Rhetorik“ – und reden wir stattdessen über den Mehrwert und den Nutzen, den digitale Technologien für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst bringen könnten.

In diesem Sinne: Gute Gespräche auf dem Zukunftskongress in Berlin!