Matthias

Country Manager Germany, Virtustream

Vor dem Durchbruch: Public Cloud als Enterprise-Plattform

Von Matthias Zastrow

Die meisten Unternehmen haben bislang nur ausgewählte Anwendungen in eine Public Cloud verlagert. Hauptsächlich dient ihnen die öffentliche Wolke als ein Kapazitätsreservoir, aus dem Server- und Storage-Ressourcen für bestimmte Zwecke im Bedarfsfall temporär geordert werden – zum Beispiel für Testläufe, wenn ein größeres SAP-Update auf der IT-Agenda steht.

In solchen Fällen bietet die Public Cloud beträchtliche Vorteile, da eine maßgeschneiderte Testumgebung quasi ad hoc zur Verfügung steht. Das IT-Team muss nicht wie früher warten, bis an irgendeinem Wochenende endlich die benötigten Kapazitäten in der Produktivumgebung frei geworden sind. Die Testreihen können sofort starten. Außerdem verliert niemand mehr wertvolle Zeit durch aufwendige Konfigurationsarbeiten an physischen Server- und Speichersystemen. Alles in allem beschleunigt die Public Cloud somit Innovationen, und die erneuerte SAP-Landschaft trägt zeitiger zur Wertschöpfung bei. Die SAP-Landschaft selbst, aber auch andere geschäftskritische Anwendungen wie Microsoft oder Oracle, laufen vielerorts weiterhin On-Premise im hauseigenen Rechenzentrum.

Als Antwort darauf, warum das so ist, höre ich oft, dass die Public Cloud als Test- und Entwicklungsumgebung zweifellos ideal sei. Für geschäftskritische Anwendungen hingegen fehle es bei öffentlichen Cloud-Offerten noch an hinreichend differenzierten Service Level Agreements (SLAs). Zudem handele es sich bei diesen Systemen um essenzielle Kernanwendungen, die in Sachen Stabilität und Verfügbarkeit keinerlei Kompromisse dulden. Als weiteres Argument werden auch immer wieder wachsende Compliance-Anforderungen ins Feld geführt, die in einer öffentlichen Cloud ebenfalls nicht verlässlich genug zu erfüllen seien.

Eine Cloud wie ein Country Club

Ein Blick auf die aktuelle Kundenliste von Virtustream verrät indessen, dass beim Thema geschäftskritische Anwendungen aus der Public Cloud offenbar ein Umdenken in Gang gekommen ist. Sicherlich: Die Enterprise Cloud von Virtustream ist keine dieser breit adressierten öffentlichen Wolken, in der sich alle Welt tummelt – von der Hausfrau bis zum Youngster, und wahrscheinlich auch mancher Hacker. Das wäre wohl tatsächlich kein guter Ort für kritische Anwendungen, die streng vertrauliche Geschäftsinformationen verarbeiten sollen. Im Gegensatz dazu könnte man Virtustream eher mit einem exklusiven Country Club vergleichen, der speziell für die Bedürfnisse moderner IT-Umgebungen ausgelegt ist. Anders als bei den meisten Public-Angeboten sind SLAs hier auch nicht auf technische Parameter limitiert, sondern reichen bis hinab auf die Applikationsebene. Compliance-bezogene Servicelevels lassen sich somit individuell für jede Anwendung definieren.

Unter dieser Prämisse steht der Adaption des öffentlichen Cloud-Modells zum Beispiel im SAP-Umfeld aus meiner Sicht nichts mehr im Wege. Ein bedeutender Treiber für diesen Trend dürfte überdies die einzigartige Mikro-VM-Technologie – kurz µVM – von Virtustream sein. Denn µVM versetzt die Public Cloud in die Lage, den Workload jeder einzelnen Anwendung gleichsam wie bunte Tetris-Steine fein granular zu schachteln. Das bedeutet, dass sich die Rechen- und Speicherressourcen für das gesamte SAP-Anwendungspaket exakt nach dem aktuell tatsächlich vorliegenden Bedarf dimensionieren lassen. Zur Erinnerung: Im On-Premise-Rechenzentrum müssen Unternehmen stets die maximal benötigten Kapazitäten vorhalten. Bei einem Versandhändler etwa, dessen Workloads zur Weihnachtszeit einen überdurchschnittlichen Ausreißer nach oben aufweisen, liegt ein Großteil der Server- und Speicherressourcen das restliche Jahr über brach.

Weniger Kosten, mehr Freiraum für Innovationen

Die Kostenvorteile einer am Optimum statt am Maximum orientierten Kapazitätsdimensionierung liegen meiner Meinung nach so offenkundig auf der Hand, dass sie ihre Wirkung im Wettbewerb auf Dauer nicht verfehlen werden. Wenn man außerdem noch den Wegfall des Management- und Maintenance-Aufwands für eine hauseigene Serverfarm berücksichtigt, wird schnell klar, dass die dadurch erzielten Einsparungen die initialen Investitionen für den Umzug in die Public Cloud schnell wieder refinanzieren.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der für viele Unternehmen immer bedeutungsvoller wird: Das Public-Cloud-Modell entlastet hochqualifizierte IT-Profis im Unternehmen von technischen Routinearbeiten für den alltäglichen Betrieb von SAP, Microsoft oder Oracle. So haben sie den Rücken frei für geschäftsrelevante IT-Innovationen, mit denen sie die digitale Transformation ihrer Firma schneller voranbringen können – zum Beispiel durch die Entwicklung personalisierter App-Services, um die Kundenbindung ihrer zunehmend mobilen Klientel zu festigen.

Vor solchen Vorteilen steht jedoch die alles andere als triviale Herausforderung des Umzugs der unternehmenseigenen Plattformen in die Public Cloud. Umso wichtiger ist es hervorzuheben, dass zum Portfolio der Virtustream Enterprise Cloud ein umfassendes Set aus professionellen Migrationsservices gehört – unter anderem für SAP und SAP HANA. Dabei spielt es praktisch keine Rolle, ob die SAP-Anwendungen derzeit auf Microsoft- oder Oracle-Datenbanken laufen.

Apropos Daten: Welche Mechanismen garantieren in der Enterprise Cloud eigentlich die eingangs geforderte Compliance für geschäftskritische Anwendungen? Im Wesentlichen eine weitgehend automatisierte Lösung namens ViewTrust, die für ein umfassendes Risiko- und Compliance-Monitoring sorgt. Aber das ist ein Thema für sich, das ich mir deshalb auch für einen anderen Blog-Post aufspare. An dieser Stelle möchte ich nur noch kurz anmerken, dass ich wie viele Analysten glaube, dass die öffentliche Cloud als Enterprise-Plattform eine große Zukunft vor sich hat. Für mich steht das noch junge Jahr 2017 jedenfalls ganz im Zeichen vom Betrieb geschäftskritischer Anwendungen in der Public Cloud.

Ihr

Matthias Zastrow