Reimund

CTO, EMC Deutschland

Die wichtigsten IT-Trends im neuen Jahr – ein kleiner Nachtrag

Reimund Willig, CTO bei EMC Deutschland

Sie kennen sie natürlich – die alljährlichen „Vorhersagen“ von Beratungshäusern, anderen Dienstleistern und großen IT-Unternehmen über die entscheidenden Entwicklungen im bevorstehenden Jahr. Wenn Sie ein wenig so sind wie ich, dann überfliegen Sie die besten davon jedes Jahr aufs Neue. Das Ganze ist fast eine Art Tradition – und nützlich ist es obendrein. Zumindest habe ich den Eindruck, dass nicht wenige der IT-„Auguren“ regelmäßig richtig liegen mit dem, was sie Jahr für Jahr vorhersagen.

In den meisten der „Predictions“, „Trends“ und „Don’t-miss-this-new-technology“-Posts, die ich in den vergangenen Wochen gelesen habe, fehlten ein paar aus meiner Sicht wichtige Schlagwörter oder Gesichtspunkte. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, einen kleinen „Nachtrag“ zu wagen, und meine eigenen Vorhersagen für das bevorstehende Jahr 2016 zusammenzutragen – nachfolgend finden Sie meine kurze Liste.

Trend #1: Die „Enterprise-grade“-Container kommen

“Container-Technologien“ zur Betriebssystem-Virtualisierung wurden ursprünglich für große Internetdienste wie Facebook oder Netflix entwickelt. Doch inzwischen haben sie sich auch als Werkzeuge für das Entwickeln neuer Mobile-Apps, Web- oder Big-Data-Anwendungen bewährt. Deshalb meine ich, dass 2016 das Jahr werden könnte, in dem uns die „Container“ endlich auch im Enterprise-Umfeld begegnen werden – mit neuen, für Geschäftsanwendungen erforderlichen Features.

Damit es dazu kommt, müssen natürlich noch ein paar Dinge passieren. Erstens sollten die Container künftig Laufzeit-Persistenz unterstützen können (das können sie bisher nicht, weil die “statless applications”, für die sie entwickelt wurden, ohne dieses Feature auskommen). Denn die ist für den Einsatz mit Geschäftsanwendungen unabdingbar.

Um diese Voraussetzung zu erfüllen, könnten Entwickler Container-Spezifikationen künftig um Enterprise-Grade-Storage-Einheiten erweitern – und diese entweder über bestehende Protokolle oder über neue, Container-spezifische Abstraktionen ansteuern. Das würde die Virtualisierungs-Anwendungen in der Lage versetzen, Laufzeit-Informationen zwischenzeitlich oder dauerhaft speichern.

Zweitens brauchen die Container natürlich auch fortschrittliche IT-Management- und Security-Features. Und ich möchte wetten, dass viele Entwickler Container in den nächsten Monaten mit eben solchen ausrüsten werden. Entsprechende Projekte laufen bereits und zeigen in Richtung Validierung, Sicherheits-Zertifizierung oder die Integration Container-interner Firewalls.

Trend #2: In-Memory beschleunigt Big Data

Diese „zweite Schicht“ könnte auch endlich das volle Potenzial von „Data Lakes“ erschließen –  und beispielsweise Ad-hoc-Auswertungen möglich machen, mit denen die Organisationen schon auf Veränderungen reagieren können, während diese noch passieren. Das dürfte Unternehmen ein neues, bisher nicht dagewesenes Höchstmaß an Agilität und Reaktionsvermögen einbringen.

Doch bevor es dazu kommt, müssen die Anwenderunternehmen noch zwei Hürden überwinden.

Erstens brauchen sie Infrastruktur-Technologien, die genügend Raum und Speicherplatz für große Big-Data-Bestände bieten, sowie einen Plan dafür, wie Daten effizient zwischen Objektspeicher- und In-Memory-Maschinen verschoben werden. Schließlich unterscheidet sich die Arbeitsgeschwindigkeit der beiden Geräte-Arten erheblich, und die zuständigen Systemadministratoren werden den Demarkationspunkt im Auge behalten müssen, damit Daten schnell und transparent hin und her wandern können.

Viele Hersteller haben diesen Bedarf schon antizipiert und entwickeln bereits neue Objektspeicher, Rack-Scale Flash-Storage oder Technologien, mit denen Anwender beides zu einheitlichen Systemen zusammenzufassen können. Und auch Open-Source-Initiativen arbeiten daran, die Herausforderung der verschiedenen Übertragungsgeschwindigkeiten zu meistern. 2016 dürfte uns also auch in diesem Bereich einige interessante Neuerungen bieten.

Doch es bleibt ja noch eine zweite Herausforderung: Große In-Memory-Infrastrukturen verarbeiten Daten, die sowohl persistent als auch dynamisch sind. Die Schwierigkeit dabei besteht darin, dass beim „Persistieren“ von Daten auch alle Fehler mitgespeichert werden, die diese Daten gegebenenfalls haben. Das kann zur Weiterverarbeitung invalider Daten, verfälschten Auswertungen oder gar zu Fehlern in Anwendungen führen.

Deshalb dürften 2016 jede Menge Datendienste im „Storage-Stil“ Einzug in In-Memory-Umgebungen halten: Deduplikation, Snapshots, Tiering, Caching, und Replikation sowie die Fähigkeit, den letzten bekannten Status zu speichern, an dem Daten valide waren oder eine Umgebung fehlerfrei.

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Trend 3: Die workload-spezifische Enterprise-Cloud

Viele Untersuchungen verweisen darauf: 2016 dürfte das Jahr werden, in dem Unternehmen Cloud-Dienste besser verstehen als bisher und sie gezielter einsetzen, um bestimmte Geschäftsziele zu erreichen. Und einige dürften dabei so weit gehen, einen neuen Cloud-Computing-Ansatz zu verfolgen: Dafür werden sie Cloud-Service-Portfolios nutzen, die jeweils mehrere, für verschiedene Anwendungs-Workloads optimierte Dienste bereitstellen. Also etwa einen Dienst für SAP-Workloads und einen anderen für Mobile Apps.

Momentan suchen IT-Verantwortliche meist noch nach einzelnen Cloud-Services, die alle oder zumindest mehrere Geschäftsanforderungen erfüllen. Doch dieser Ansatz war schon immer zu simpel. Und je weiter sich Cloud-Computing verbreitet, desto deutlicher zeichnen sich vier Arten von Cloud-Diensten ab, zwischen denen IT-Verantwortliche wählen können und sollten:

Zwei ermöglichen es, bereits bestehende Investitionen in die zweite Plattform der IT in die Cloud zu verlagern. Die zwei anderen zielen dagegen auf den Aufbau völlig neuer Cloud-Services und Infrastrukturen der dritten Plattform der IT.

Die vier Formen der Cloud sind:

  1. On-Premise Cloud für die zweite Plattform der IT
  2. Hybride Cloud (teils on-, teils off-premise) für die zweite Plattform der IT
  3. On-Premise Cloud für die dritte Plattform der IT
  4. Off-Premise Cloud für die dritte Plattform der IT

Organisationen werden Cloud-Strategien benötigen, die alle vier dieser Cloud-Formen berücksichtigen. Wer keinen Plan für alle vier hat, nimmt in Kauf, Workloads auf dafür ungeeigneten Clouds zu betreiben – und entsprechende wirtschaftliche oder regulatorisch-rechtliche Risiken einzugehen.

Derart umfassende Cloud-Strategien werden natürlich nicht ohne die Möglichkeit auskommen, Daten und Workloads sicher und nachvollziehbar zwischen den verschiedenen Clouds hin- und her zu bewegen. Zudem sollten IT-Verantwortliche Off-Premise-Ressourcen natürlich genauso verwalten können wie solche aus dem eigenen Rechenzentrum. Beides ist keineswegs einfach, aber möglich: Technologien wie Cloud Gateways, Cloud-Abstraktionen wie CloudFoundry und Virtustream xStream, Software-definierte Datenreplikation oder Verschlüsselungsdienste machen „Cloud Interworking“ realisierbar.

Trend #4: Cloud-Native-Entwickler dringend gesucht

Je mehr Unternehmen dazu übergehen, Clouds nicht mehr nur zu bauen, sondern auch zu nutzen, desto klarer wird: Beim Cloud Computing geht es überwiegend darum, das Entwickeln und Bereitstellen verschiedenster Geschäftsanwendungen zu vereinfachen. Doch das Entwickeln in der Cloud verlangt nach grundsätzlich anderen Fähigkeiten als denen, die bisher für die Anwendungsentwicklung erforderlich waren. Deshalb entsteht in vielen Unternehmen eine „Kompetenzlücke“ – und die kann die Umsetzung von Cloud-Strategien erheblich erschweren.

Das können sich die Unternehmen nicht leisten. Die Fähigkeit, „Cloud-native“-Anwendungen zu entwickeln, dürfte in diesem Jahr zu einem Wettbewerbsvorteil werden, vielleicht sogar zu dem Wettbewerbsvorteil.

Deshalb werden Unternehmen ihre Softwareentwicklung im kommenden Jahr entsprechend verändern – entweder durch das Schulen eigener Mitarbeiter oder das Beauftragen externer Entwickler.

Trend #5: Flash setzt sich durch – und Unternehmen müssen mit dem Schlimmsten rechnen

Der fünfte Trend für 2016 ist weniger eine Vorhersage als eine Warnung: Im Storage-Bereich kann es vorkommen, dass unerwartete Schwierigkeiten mit neuen Technologien auftreten, sobald diese eine gewisse Verbreitung und Bedeutung erreichen. Und bisweilen führen diese Schwierigkeiten zu schwerwiegenden Ausfällen in einer gesamten Branche. Auch wenn nichts dafür spricht, dass etwas Derartiges im Zusammenhang mit Flash eintreten könnte, sollten Unternehmen diese Tatsache berücksichtigen. Denn diese Speichertechnologie wird 2016 eine ernstzunehmende Verbreitung erreichen.

Während der vergangenen Jahrzehnte gab immer wieder Ausfälle aufgrund zunächst unbemerkter Fehler oder Schäden in CPU-Speicher-Chips und Festplatten, oder auf Grund von Umstellungen bei Silikon oder anderen technischen Bestandteilen. In solchen Fällen zahlt es sich immer aus, eng mit Herstellern zusammenzuarbeiten, die die Branche sehr gut kennen und Erfahrung im Umgang ähnlicher Vorfälle haben (EMC machte beispielsweise 2010 vor, wie derartige Krisen zu bewältigen sind: Das Unternehmen tauschte einen Großteil aller weltweit eingesetzten Seagate-Moose-Festplatten aus, nachdem diese auf Grund eines technischen Fehlers unbrauchbar wurden – vgl. „Seagate Moose Drive failure“).

Also lautet der Rat für Unternehmen im Jahr 2016, nicht in die Falle zu tappen und zu hoffen, dass schon Nichts passieren wird. Eine vorausschauende Planung für den schlimmsten anzunehmenden Fall hat sich häufig bewährt.

Zusätzliche Informationen:

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Kurzprofil EMC:

Die EMC Corporation ermöglicht Unternehmen und Service Providern, ihre Geschäftsprozesse zu verändern und IT as a Service bereitzustellen. Cloud Computing ist ein entscheidender Faktor für diese Transformation. EMC erleichtert IT-Abteilungen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen den Weg in die Cloud. Die Informationen als wichtigstes Gut lassen sich mit Lösungen von EMC flexibel, sicher und kosteneffizient speichern, verwalten, schützen und für die Analyse aufbereiten. Weitere Informationen über EMC finden sich unter: http://germany.emc.com