Thore

Vice President EMC Isilon EMEA

Big Data ohne CDO? Besser nicht!

Von Thore Rabe, Vice President EMC Isilon EMEA

Big Data ist fast immer nützlich – und zwar für jede Organisation. Doch wirklich profitieren können nur Unternehmen, die zunächst die notwendigen Voraussetzungen für den Big-Data-Einsatz schaffen. Dazu gehört auf jeden Fall das Ernennen eines Gesamt-Verantwortlichen, der das Thema treibt und steuert. Ein Plädoyer für den „Chief Data Officer“.

Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg von Big Data ist die Geschäftsbereichs- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit im ganzen Unternehmen. Nur sie stellt sicher, dass Big-Data-Projekte wirklich alle im Betrieb vorhandenen Daten nutzen und Auswertungsergebnisse für sämtliche Geschäftsabläufe zur Verfügung stellen können.

Doch diese Zusammenarbeit herzustellen, ist alles andere als einfach. Schließlich bringen sämtliche Stakeholder eigene, teils widersprüchliche Erwartungen und Anforderungen mit. Wer Big-Data-Projekte umsetzen will, kommt deshalb nicht um ein entsprechendes Change- und Organisationsmanagement herum – und das ist selbstverständlich Chefsache.

Doch welcher Chef ist zuständig? Und was genau ist „die Sache“, die sie oder er übernehmen soll?

„Big-Data-Change-Management“

Der erste Schritt beim Big-Data-Change-Management besteht im Ergründen der verschiedenen Stakeholder-Erwartungen. Denn natürlich hat jeder Geschäftsbereich eigene Interessen. Auch bei den Haltungen zu bestimmten Analyseprogrammen, Integrationen und Auswertungen können Unterschiede bestehen.

So will der Vertrieb vor allem erfahren, wie viele Produkte zu welchem Preis und über welchen Kanal verkauft werden, um Preis- und Vertriebspläne optimieren zu können – und begnügt sich mit entsprechenden Reports. Das Marketing-Team dagegen braucht spezifische Informationen über potenzielle Kunden und erwartet, dass diese automatisch in das vorhandene CRM-System wandern. Wiederum andere Erwartungen haben Entwicklung, Einkauf, HR und Finance…

Wer kann da den Überblick behalten und zielführende Vorgehensweisen entwickeln?

Am erfolgversprechendsten ist, diese Frage mittels eines dreistufigen Vorgehens zu beantworten. Dieses kann beispielsweise so verlaufen:

1. Die Chefetage als Big-Data-Wegweiser

Zunächst macht die Geschäftsführung Big Data wirklich zur „Chefsache“ – und übernimmt die Rolle eines Botschafters für das Thema. Das gewährleistet, dass die Bedeutung des Themas verstanden und geplante Projekte nicht als punktuelle Vorhaben einzelner Abteilungen missverstanden werden. Im besten Falle kommuniziert die Geschäftsführung derart offen und verständlich, dass alle Stakeholder überzeugt und zu Unterstützern von Big Data im Unternehmen werden.

2. Der „Chief Data Officer“ als Brückenbauer

Die eigentliche Umsetzung von Big-Data-Vorhaben überträgt das Top-Management dann aber an eine Expertin oder einen Experten mit dem notwendigen technischen Know-how und der Fähigkeit, Projekte von Anfang bis Ende umzusetzen. Im besten Falle beruft sie diese Person auch gleich in die Geschäftsführung – per Ernennung zum „CDO“. Der wesentliche Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass der CDO die notwendige Entscheidungsbefugnis mitbringt, um Projekte vorantreiben zu können, ohne dabei an bestimmte Ressorts gebunden zu sein. Das versetzt sie oder ihn in die Lage, den allgemeinen, abteilungsübergreifenden Nutzen von Big Data in den Vordergrund des eigenen Handelns zu stellen. Derart „ausgerüstete“ Führungskräfte werden zu Brückenbauern zwischen Anteilseignern, Management und Geschäftsbereichen – und bringen die erforderliche Zusammenarbeit allein durch das Ausfüllen ihrer Rolle auf den Weg.

Namhafte Unternehmen haben bereits erkannt, wie wichtig diese neu geschaffene Rolle bereits ist: So hat die Barclays Bank Dr. Usama Fayyad zum CDO ernannt. Dr. Fayyad war in seiner vorherigen Position bei Yahoo der wohl erste von einem Unternehmen offiziell ernannte CDO. Und auch bei der Financial Times hat man der heutigen großen Bedeutung von Daten- und Kundenintelligenz Rechnung getragen. Dort wurde im letzten Jahr Tom Betts zum ersten CDO des Unternehmens ernannt.

3. Das Unternehmen als Einheit

Einmal ernannt, können CDOs dafür Sorge tragen, dass Daten und gewonnene Erkenntnisse nicht in Silos verschwinden, sondern dem ganzen Unternehmen zur Verfügung stehen. Das fällt ihr oder ihm am leichtesten, wenn auch das übrige Führungsteam dazu beiträgt, die IT und andere Unterstützungsbereiche wie etwa Strategie- oder Analytics-Teams mit den übrigen Teilen des Unternehmens zu verzahnen. Denn eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit trägt dazu bei, den Nutzen von Big Data wirklich zu maximieren.

Fazit

Investitionen in Datenanalytik werden derzeit zur Chefsache. Schließlich nützt Big Data immer dem gesamten Unternehmen. Doch Vorstände und Geschäftsführer sollten Big-Data-Vorhaben zwar anstoßen und unterstützen, die eigentliche Umsetzung dann allerdings an einen Daten-Experten mit weitreichender Entscheidungsbefugnis übertragen. Ein CDO kann ein solcher Experte sein – und als solcher Brücken bauen, Stakeholder managen und Big-Data-Vorhaben so steuern, dass jeder Teil des Unternehmens die Vorteile erkennt und nutzt.

Sehen Sie das auch so? Wie sieht es bei Ihnen aus – betrachtet man bei Ihnen Big Data als organisationsübergreifende Initiative? Oder sind einzelne Abteilungen zuständig, zum Beispiel die IT, Finanzabteilung, Marketing oder der Vertrieb? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!