Helena

Director Marketing, EMC Deutschland

50 Jahre Rechenzentrum: Schöne neue Verbraucherwelt oder Big Brother?

Vor 50 Jahren, im Jahr 1965, entstand in den USA auf Initiative des Social Science Research Councils eine ambitionierte Gesetzesinitiative: Mit dem „National Data Center Proposal“ wollte die damalige US-Regierung ein nationales Mega-Rechenzentrum auf den Weg bringen, in dem die Archive der einzelnen Bundesbehörden konsolidiert werden sollten. Das Ziel war es, an einem zentralen Ort alle relevanten Informationen über jeden einzelnen US-Bürger vorzuhalten – von Fingerabdrücken und Steuerunterlagen bis hin zum Bildungshintergrund oder dem Strafregister. Um den Bundesbehörden die Abfrage der Daten zu erleichtern, sollten diese auf magnetischem Computer-Band gespeichert werden. 1968 wurde das „National Data Center Proposal“ schließlich aufgrund von datenschutzrechtlichen Bedenken fallen gelassen: Die US-Bürger erachteten diese Sammlung personenbezogener Daten als zu großen Einschnitt in ihre Privatsphäre.

Rechenzentrum_EMC

Wenn man heute auf dieses Vorhaben zurückschaut, kommen einem zwei Aspekte bekannt vor: Der Grundgedanke, Informationen elektronisch zu speichern, und die damit verbundenen Datenschutzbedenken. Verändert haben sich in den vergangenen 50 Jahren natürlich die zugrundeliegenden Technologien – und zwar in höchstem Maße. Mit dem Aufkommen digitaler Technologien wie zum Beispiel Flash können Regierungen und Unternehmen jetzt deutlich mehr Daten speichern als 1965, zu signifikant geringeren Kosten. Heute werden so viele Daten wie nie zuvor erfasst und mit Big Data-Tools analysiert. Oft passiert das in Echtzeit und es eröffnet uns die Chance auf Einblicke, die einen echten Mehrwert bieten. Und obwohl gerade wir in Deutschland sehr auf den Schutz unserer Privatsphäre achten, sind heute viel mehr Menschen bereit, Daten mit anderen zu teilen. Wir machen es, ob bewusst oder unbewusst, jeden Tag: Wenn wir Persönliches auf Social-Media-Plattformen posten, wenn wir Online-Händlern unsere Bankdaten zur Verfügung stellen oder wenn wir Freunden, Versicherungen oder Unternehmen der Konsumgüterindustrie unsere Fitnessdaten preisgeben.

Warum machen wir unsere Daten anderen zugänglich? Weil wir darin Vorteile sehen, da wir zum Beispiel einfacher kommunizieren, angenehmer shoppen oder beispielsweise beim Versicherungsbeitrag sparen können. Wo wir uns Vorteile versprechen, teilen wir unsere Daten einfach. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Vanson Bourne im Auftrag von EMC beschreibt, wie die so genannte „Information Generation“, also der vernetzte Verbraucher von heute, schnelleren Zugang zu Dienstleistungen haben und auch einen persönlicheren Kontakt mit jenen Unternehmen haben möchte, mit denen sie kommuniziert.

Seit die moderne Idee eines Rechenzentrums 1965 erstmals in Angriff genommen wurde, hat sich viel verändert – und doch wiederum nicht. Die damalige Gesetzesinitiative führte zu einer wahren Big-Brother-Debatte und zeigte, wie sensibel Themen wie Privatsphäre und Datenkontrolle sind. Diese Bedenken stehen auch 50 Jahre später noch ganz oben auf der Agenda. Aber es ist auch klar, dass sich die Verbraucher von heute nicht nur damit abgefunden haben, dass Daten gesammelt werden. Sie erwarten sogar, dass all die Unternehmen, mit denen sie zu tun haben, die verfügbaren Daten nutzen werden, um ihre Erwartungen noch besser zu erfüllen.